Ludwig van Beethoven

Titan der Musik

Beethoven zum 250. Geburtstag, Rt. Fürsprech der Paragraphenreiter

Ludwig van Beethoven wurde vor 250 Jahren im Dezember 1770 in Bonn geboren. Er führte die Wiener Klassik zu ihrer höchsten Entwicklung, gilt als Wegbereiter der Musik der Romantik und als einer der bedeutendsten Komponisten.
Das Leben Ludwig van Beethovens liegt fast 200 Jahre zurück, doch wirkt er bis heute. Als 1982 die CD auf den Markt kam, wurde die Kapazität so ausgelegt, dass Beethovens 9. Symphonie darauf passte (70 Minuten), die in Japan jedes Jahr von Chören mit bis zu 10.000 Mitwirkenden aufgeführt wird.

Der 4. Satz der 9. Symphonie ist Grundlage für den Welthit „Come sing a song of joy“, wurde Europahymne und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn in Taiwan das Klavierstück „Für Elise“ von Beethoven erklingt, wissen die Bewohner, dass der Müll vor die Tür zu stellen ist; das Thema ist die Erkennungsmelodie auf tausenden Handys. Die Musik von Beethoven fliegt seit 1977 mit an Bord der Sonde Voyager als Botschaft für Außerirdische und der Yorcksche Marsch wird beim Großen Zapfenstreich der Deutschen Bundeswehr gespielt.

Die frühen Jahre

Seine musikalische Ader wurde ihm in die Wiege gelegt, denn bereits sein Großvater Ludwig war Hofkapellmeister und sein Vater Johann Tenorsänger und Klavierlehrer. Dieser erkannte früh das Talent seines Sohnes und brachte ihm Klavierspielen bei. Während seine Schulbildung nicht über die Grundlagen des Lesens und Schreibens hinausging, wurde er auch in Orgelspiel, auf der Violine und der Bratsche unterrichtet. 1778 trat Ludwig van Beethoven das erste Mal vor Publikum auf, wurde ab 1782 Schüler des Organisten und Komponisten Christian Gottlob Neefe und veröffentlichte bereits im Alter von 12 Jahren seine ersten Kompositionen. Kurz nach der Rückkehr von seiner ersten Studienreise nach Wien verstarb 1787 seine Mutter, deren Tod seinen Vater in Folge endgültig die Kontrolle über seine Alkoholsucht verlieren ließ.

Von Bonn nach Wien

1792 übersiedelte Ludwig van Beethoven nach Wien und wurde dort Schüler von Joseph Haydn, Antonio Salieri, Johann Baptist Schenk und Johann Georg Albrechtsberger. Dank seiner Begabung bekam er bald Zugang zu höchsten Adelskreisen.
Mit Musikunterricht und dem Verkauf von Noten seiner Werke konnte er ein gutbürgerliches Leben führen und profilierte sich immer mehr als Komponist. Doch ab 1798 zeigten sich die ersten Symptome eines Gehörleidens, das später zu seiner Taubheit führte.

Im sogenannten Heiligenstädter Testament von 1802 beklagte er sich über sein Schicksal und ersuchte um Verständnis für seine mürrische Art („Es fehlte wenig und ich endigte mein Leben – nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück“). Erzherzog Rudolph, Fürst Ferdinand Kinsky und Fürst Karl Lichnowsky unterstützten den bereits prominenten Tondichter mit einer jährlichen Zuwendung von 4.000 Gulden, damit er in Wien blieb. Von 1802 bis 1812 war seine produktivste Schaffensphase. So verfasste er sechs seiner neun Symphonien, schrieb Stücke für Klavier, Violine und Streichquartett sowie die erste Fassung seiner einzigen Oper Fidelio. Die Taubheit schränkte Beethoven stark ein, sodass er sich nur noch mit „Konversationsheften“ verständigen konnte. Aber Dank seines absoluten Gehörs und seiner musikalischen Begabung konnte er weiter komponieren und – losgelöst von den Wünschen des Publikums und Einflüssen von außen – zeitlose Werke schaffen.

Genie und Chaos

Beethoven war sowohl in jüngeren Jahren, als auch später immer wieder in Liebesverhältnisse verstrickt, hat aber nie geheiratet und hatte, soweit bekannt ist, auch keine Kinder.
Bekannt sind seine Briefe an die unsterbliche Geliebte. Als Person war Beethoven unordentlich, sodass er sogar, bei einem seiner ausgedehnten Spaziergänge, als Landstreicher verhaftet wurde. Er hat entgegen der damaligen Etikette, nicht wie Mozart und Haydn, Perücke getragen, sondern das Haar wild wachsen lassen. Mit seiner Musik für die übrigen Hausbewohner schwer erträglich, zog der Komponist 68 Mal um. Neben der Musik galt sein Interesse der Philosophie, Literatur und Politik. Vom liberalen Bonn geprägt, war er für die Französische Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) begeistert und hat sich als Künstler auf dieselbe Stufe wie Adelige gestellt, die er zum Teil geringschätzte. Legendär ist der Vorfall mit seinem Gönner Fürst Karl Lichnowsky. Als dieser Beethoven 1806 in Grätz vor einer geladenen Gesellschaft zum Klavierspielen veranlassen wollte, verweigerte sich Beethoven. Nach seiner wütenden Abreise schrieb ihm Beethoven: „Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch mich. Fürsten gibt es viele, Beethoven gibt es nur einen.“
Auch in Wien kam es zum Eklat. Da sich ein hochnäsiger Aristokrat während eines Klavierabends in Wien störend unterhielt, sprang Beethoven auf und rief „Für solche Schweine spiele ich nicht“, um zornig den Saal zu verlassen. Als er zusammen mit dem großen Dichter Wolfgang von Goethe 1812 in Teplitz der österreichischen Kaiserin Maria Ludovika begegnet ist, trat Goethe artig zur Seite und zog den Hut, während Beethoven weiter ging, sodass die Kaiserin ausweichen musste. Beethoven soll dazu gesagt haben, dass Goethe die Hofluft zu sehr behagen würde, mehr als es einem Dichter geziemen würde.
Beethoven war zu seiner Zeit das, was man heute einen Popstar nennen würde, nicht nur wegen seines Ruhms, sondern auch wegen seiner Kreativität. Am 26. März 1827 verstarb der Komponist im 57. Lebensjahr und wurde in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof zur letzten Ruhe gebettet. An seinem Leichenzug nahmen 20.000 Menschen teil.

Gustav Klimt
Beethovenfries

Tafel 8, rechte Langwand
„Die Künste“,
„Paradieschor“ und
„Umarmung“

Sein Vermächtnis

Ludwig van Beethoven hinterließ ca. 240 Werke, davon 32 Klaviersonaten, Streichquartette, Lieder, Variationen, neun Symphonien und eine Oper. Er gilt mit Amadeus Mozart und Joseph Haydn als Hauptvertreter der Wiener Klassik, und wird als Wegbereiter der Romantik angesehen. Mit seinen Kompositionen nahm er maßgeblichen Einfluss auf die musikalische Entwicklung. So gilt er als einer der ersten Komponisten, der seine Musik dramaturgisch aufbaute. Durch prägnante Motive, kontrastierende Themen und einen klaren Aufbau, schuf er einen unverkennbaren Individualstil. Mit seinen Werken war er und ist er auch zu seinem 250. Geburtstag ein „Titan der Musik“.

Seine bekanntesten Werke

  1. Klavierstück „Für Elise“ (a-Moll)
    Das Grundgerüst des mit poco moto überschriebenen Klavierstücks bilden drei periodische Teile, die mit improvisatorisch wirkenden Zwischenspielen verbunden sind und die rondoartige Form A B A C A ergeben.
  2. Die 9. Symphonie (d-Moll)
    Beethoven hat sein bekanntestes Werk 1824 vollendet. Die Besonderheit ist der Einsatz des Chores im 4. und finalen Satz. Als Text hat Beethoven das Gedicht „An die Freude“ von Friedrich Schiller gewählt. Als erste sogenannte Symphoniekantate war es eine Zäsur in der Musikgeschichte. Mit einer Spieldauer von 70 min in vier Sätzen ist es ein komplexes Werk mit vielen Klangfarben und weltweit bekannt.
  3. Klaviersonate Nr. 14 „Mondscheinsonate“ (cis-Moll)
    Das Klavierstück gilt mit seinen formalen Freiheiten und emotionsbestimmten Stil als Vorläufer der Romantik. Auffällig ist die ungewöhnliche Satzfolge.
  4. Die 5. Symphonie (Schicksalssinfonie, c-Moll)
    Die viersatzige Symphonie ist unter dem Namen Schicksalssinfonie bekannt, weil der Beginn wie das Klopfen des Schicksals an die Türe klingt. Sie ist spannungsgeladen und erinnert an französische Revolutionsmusik.
  5. Die 6. Symphonie (Pastorale, F-Dur)
    Sie besteht aus fünf Sätzen. Anlass war die Liebe Beethovens zur Natur; sie ist die Nachahmung der Empfindungen der Natur und der Ausdruck seelischer Empfindungen. Die einzelnen Sätze lauten:
    1. Satz: Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande,
    2. Satz: Szenen am Bach, 3. Satz: Lustiges Zusammensein der Landleute,
    4. Satz: Gewitter und Sturm, 5. Satz: Hirtengesang
Josef Maria Auchentaller
6. Sinfonie 2. Satz
Elfe am Bach
  1. Fidelio
    Die einzige Oper von Ludwig van Beethoven wurde erst in der 3. Fassung bekannt. Florestan ist als politischer Häftling eingesperrt und wird von seiner Frau Leonore, verkleidet als Fidelio, befreit. Sie gilt als Befreiungsoper mit historischem Hintergrund.
  2. Die 3. Symphonie „Eroica“ in Es-Dur
    Das Werk gilt als revolutionär.
    Der erste Satz beginnt mit einer Dreiklangmelodie, die durch eine zweitaktige Einleitung vorbereitet wird. Es ist im ungeraden Maß geschrieben und bricht mit der Tradition der klassischen Symphonie. Der zweite Satz ist der Trauermarsch. Der dritte Satz ist von leichten, beschwingten Tempo. Der vierte Satz besteht aus Variationen.
    Das Werk sollte Napoleon gewidmet werden; weil dieser sich entgegen den Zielen der Revolution zum Kaiser krönen ließ, benannte sie Beethoven in Eroica, die Heldenhafte, um.
  3. Die 7. Symphonie (A-Dur)
    Sie ist eine weitere Auseinandersetzung von Beethoven mit Napoleon und steht im Kontext zu den europäischen Befreiungskriegen und ist ein Appell an die Völkerbefreiung. Es wird ein das ganze Werk bestimmender Rhythmus herausgebildet. Das Thema in Dur wird in Moll wiederholt, der letzte Satz hat einen stürmischen Charakter. Die Uraufführung hat mit dem Orchesterwerk „Wellingtons Sieg“ stattgefunden und war sehr erfolgreich.
  4. Die Missa Solemnis (D-Dur)
    Sie zählt zu den berühmtesten Messen der Kirchenmusik. Sie wurde für den Freund Beethovens, Erzherzog Rudolph von Österreich, anlässlich seiner geplanten Inthronisierung als Erzbischof von Olmütz geschrieben. Sie besteht aus einem schön gehaltenen Kyrie, taktweise begreiflichen Gloria, langsamen Sanctus und zweiteiligen Agnus Dei mit Dona novis pacem als Fuge.
  5. Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre
    Das bekannte und oft aufgeführte Lied mit dem Text von Gellert, ist eines der bekanntesten geistlichen Lieder.
  6. Die Hammerklaviersonate (B-Dur)
    Sie gehört zu den technisch und geistig anspruchsvollsten Klavierwerken aller Zeiten. Sie besteht aus einem einzigen Intervall – einer Terz – in allen Variationen, wechselt zwischen Dur und Moll. Sie drückt Wut, Klage und Trost gleichermaßen aus und endet mit einer halsbrecherischen Fuge.